Gerturd Guyer-Wyrsch

Am 12. März 2010 feiert Gertrud Guyer Wyrsch ihren 90. Geburtstag. Bekannt ist die Künstlerin vor allem mit ihrem Spätwerk: Türme, Knäuel, Tücher und jüngst Eisenstelen.

Dass Gertrud Guyer abstrakte Flächen und Stillleben gemalt hat, ist jedoch selten bekannt. Ihre Werke werden erst seit 25 Jahren rezipiert, frühere Arbeiten wurden in der Zentralschweiz nie ausgestellt. Dabei hat sich Gertrud Guyer Wyrsch in den 70 Jahren ihres künstlerischen Schaffens an verschiedenen Stilrichtungen orientiert und mit unterschiedlichen Materialien experimentiert.

Geboren wird Gertrud Guyer Wyrsch 1920 in Gersau SZ und verbringt ihre Kindheit und Schulzeit in München. Ihre Ausbildung zur Malerin erhält sie bei Max von Mühlenen in Bern und bei Gustave Singier in Paris. Bis in die 1950er Jahre pflegt Gertrud Guyer eine weitgehend französisch geprägte, nachimpressionistische Malweise wie sie damals in der Schweiz weit verbreitet war. Um 1955 bricht das Ungegenständliche definitiv Bahn. Gertrud Guyer reagiert damit auf die breite Umwälzung der Kunst in der Schweiz hin zur Abstraktion. Ihrem Naturell entsprechend entstehen die Arbeiten einer eher erfühlten als konzipierten Vorstellung entsprechend und nicht aufgrund definierter Skizzen. Das gibt den Werken jenes zeitlebens Charakteristische im Schaffen von Gertrud Guyer: Die Spontaneität des direkt im Schaffensprozess Ertasteten, sich einer Vorstellung Annähernden, mitsamt der Gefahr, dass einmal etwas nicht gelingt. Nicht zuletzt dieses intuitive, sich immer wieder neu auf die Entwicklung einer Bildformation Konzentrierende, bringt es mit sich, dass auch das ungegenständliche Werk Gertrud Guyers nicht im engeren Sinn eine Einheit bildet.

1956 ist sie in der ersten Schweizer Informel-Übersicht im Museum Neuenburg vertreten, als jüngste der fünf Künstlerinnen unter den insgesamt 68 Ausstellenden von Max Bill über Claude Loewer bis Rolf Iseli.

Die Heirat und die Geburt von Tochter Anna (1960) bilden eine Zäsur. Es folgen mehrere Wohnortswechsel, 1970 zieht die Familie nach Kilchberg bei Zürich. Erstmals hat sie wieder ein Atelier. Das beflügelt. Die neue Lust manifestiert sich im Material. Sie besorgt sich Holz und kauft eine Stichsäge. Formal orientiert sich Gertrud Guyer an Zürich, wo um 1970 die "konkrete Kunst" der zweiten Generation in Hochblüte steht. Der Schritt ist nach den ungegenständlichen Arbeiten der 1950er/60er Jahre nicht weit, öffnet diese quasi in den Raum. Aus vielfach quadratischen Sperrholzplatten sägt sie einzelne Formelemente, die sie so anschleift, dass beim wieder Zusammenfügen der rund und eckig kombinierenden Teile Abstände entstehen, die sie überdies durch Höhenunterschiede akzentuiert. So entstehen Reliefgestaltungen in Holz und Mobiles aus Schwemmholz.

Ihre künstlerische Blüte entwickelt sie jedoch mit ca. 60 Jahren. Ab 1990 entstehen dreidimensionale Objekte in Sperrholz. Zuerst "Türme", dann Säulen und später Stelen. Neben dem Aufstrebenden wendet sich die Künstlerin dem in sich Geschlossenen zu: 2003 versucht sie die ersten Knäuel und Knoten.

Schliesslich besucht sie mit 88 Jahren einen Schweisskurs und wendet sich neuem Material zu. Der Stahl erlaubt nun gebogene Flächen, was eine architektonische Dimension sichtbar macht.

Aus Anlass des 90. Geburtstags zeigt das Nidwaldner Museum vom 7. März bis 16. Mai 2010 im Winkelriedhaus Stans einen Querschnitt durch ihr Lebenswerk.

Weiter Informationen zur Künstlerin und zur Ausstellung unter www.nidwaldner-museum.ch

 

Nathalie Unternährer, Nidwaldner Museum (Zusammenfassung des Textes "Gertrud Guyer Wyrsch. 70 Jahre künstlerisch unterwegs" von Annelise Zwez)

Wachsen und Druchdringen | 2007 
Die Bildhauerin und Malerin Gertrud Guyer Wyrsch
Ein Film von Stefan Hugentobler | cip-productions Tramelan 
Zu bestellen bei: www.artfilm.ch/wachsenunddurchdringen.php

 

Antoinette Riklin-Schelbert

Die SGBK gratuliert Antoinette Riklin-Schelbert zum 90. Geburtstag im 2010!

"... Mit dem Eintritt in die Kunstgewerbeschule Zürich im Jahre 1939, wo sie den von Jahannes Itten für das Bauhaus in Dessau entwickelten legendären Unterricht besuchte, begann ihr künstlerischer Werdegang. 1940 bis 1944 liess sie sich in der Metallklasse zur Silberschmiedin ausbilden. Der Zweite Weltkrieg schien sich wie hinter fernen Kulissen abzuspielen. Nach Gesellenjahren in Wil / St. Gallen eröffnete sie 1946 in Zürich eine kleine Schmuckwerkstätte mit Laden, der bald zum Geheimtip wurde. Für ihre Entwürfe ging sie von Ittens Gestaltungs- und Formlehre und von Max Bills Theorie der Guten Form aus.

Mit der Aufbruchbewegung der sechziger Jahre, die auch die Schmuckszene erfasste, hatten die dogmatischen Gestaltungstheorien ihre Gültigkeit verloren. Sich mit der gewandelten Situaion auseinanderzusetzen, wurde für Antoinette Riklin-Schelbert zur Herausforderung. Ihr Wiedereinstieg nach einem familiären Unterbruch zu einem Neuanfang. Im experimentellen Schaffen mit textilen Techniken in Metall fand sie erneut zu einer eigenständigen künstlerischen Aussage.

Antoinette Riklin-Schelberts Schmuck war in renommierten Galerien und Messen im In- und Ausland zu sehen wie u.a. in den als Wettbewerb konzipierten internationalen Ausstellungen "International Jewellery Art Exhibition" in Tokyo (1983) und "Jewellery Redefined" in London (1982), die Signalwirkung hatte.

Anfang der achziger Jahre engagierte sich Antoinette Riklin-Schelbert im World Crafts Council (WCC), einer weltweiten Vereinigung von Kunsthandwerkern, mit der erklärten Zielsetzung, das künstlerische Handwerk zu fördern. Als Präsidentin des Crafts Council Schweiz (CCS) von1986 bis 1992 stellte sie in Vorträgen im In- und Ausland das schweizerischen Schmuckschaffen vor und veröffentlichte in Ausstellungskatalogen und Fachzeitschriften massgebliche Artikel zur Schmuckkunst.

50 Jahre faszinierende Schmuckgeschichte hat die Autorin selbst miterlebt, wechselnde Zeiten, wechselnde Moden: Schmuck als Zeitzeichen und Zeitzeugen."
(Jost Hochuli, Nachwort zur Autorin in "Schmuckzeichen Schweiz 20. Jahrhundert")

 

"... Kunst, das erweist sich beim Betrachten der Arbeiten von Antoinette Riklin einmal mehr, ist zunächst und vor allem ein Sehen, ein Suchen und Finden, dann aber auch ein entschlossenes Ein- und Begreifen, was zu guter Letzt offenlässt, ob die Schmuck-Objekte der Künsterin auf den Sockel zu stellen oder am Körper zu tragen sind. Das Faszinosum dieser Kunst zeigt sich in beiden Verwendungsarten."
(Willi Rotzler im Ausstellungskatalog "Antoinette Riklin-Schelbert, Schmuck Objekte 1989 - 1994")

 

Publikationen von Antoinette Riklin-Schelbert:

"Schmuckzeichen Schweiz 20. Jahrhundert"
VSG Verlagsgemeinschaft St. Gallen
 1999, ISBN 3-7291-1093-4

"Vom Wert des Machens. Die Schmuckgestalterin und ihr Werkzeug"
Niggli Verlag, 2004, ISBN 3-7212-0524-3 

"Schmuck von den Römern bis heute".
Beitrag in "Historisches Lexikon der Schweiz" (HSL)

"Bork" Objekt 10 x 10 x 2 cm, gelochtes Industrieeisen, Wolle, Stahldraht, 1983
"Nilius" Objekt, 15 x 15 x 4 cm, Kupfer gestrickt, 1983

Hanny Fries ist neunzig und sie malt weiter.

Die Zürcher Künstlerin Hanny Fries feiert heute ihren 90. Geburtstag. Eine glückliche Kindheit legte den Grundstein für ein erfülltes Lebern, das keinen Ruhestand kennt.

«Seien Sie offen und interessiert an allem, was auf der Welt geschieht!» Das antwortet Hanny Fries auf die Frage, wie man so munter alt wird wie sie. Die Künstlerin, die über 30 Jahre lang das Zürcher Theater dokumentierte (ihre Premierezeichnungen erschienen auch im Tagi), ist immer noch aktiv.

Sie nimmt am gesellschaftlichen Leben teil, trifft Freunde in der Stadt, erzählt auf Podien aus ihrem "vollen Leben" - zusammen mit andern Frauen über 80, die im Buch "Das volle Leben" porträtiert sind. Und vor allem: Hanny Fries arbeitet weiter. Sie sagt: "Als Malerin ist man immer gleich engagiert und passioniert. Den Schritt der Pensionierung, den andere machen, macht man nicht.» Gerade bereitet sie eine Ausstellung vor. Letzte Woche wurden die Bilder für den Katalog fotografiert, das war anstrengend. Am Wochenende als wir sie besuchen, ist sie etwas müde, und sie verhehlt das nicht. Hanny Fries spielt einem nichts vor. Sie ist 90-jährig, sie ist alt - und ihr gefällt dieses Wort, im Gegensatz zu andern, die lieber "betagt" oder "im Seniorenalter" sind.

Skizzen, Ölbilder, Stillleben mit Ei

Sie empfängt die Gäste im Atelier, in dem Haus in Hottingen, in dem sie zusammen mit ihrem Mann Benno Blumenstein wohnt und in dem schon ihr Grossvater Sigismund Righini gelebt und gemalt hatte. Sie serviert Sanbitter, ihr "Ateliergetränk", und Parmesanplätzchen von Honold. Der grosse, hohe Raum birgt einen Schatz an Skizzen, Zeichnungen, Ölbildern. Gestapelt auf Tischen und in Schränken, angelehnt an den Wänden. Auf einer Kommode stehen Collagen, Stilleben mit Ei. Auf der Fensterbank ein Teller voll alter Brioches, die sie sammelt. Hanny Fries liebt das Alltägliche. Ihre Sujets sind Wartsäle, Parkbänke, Wege, Strassenmobiliar, Landschaften mit abwesenden Figuren. Und Träume: Auf einem Bild, das für die Ausstellung bereitsteht, schwimmt eine Frau mit Einkaufstasche in einem Bassin unter Wasser. An der Schau vom nächsten Juni in Trubschachen werden neben Bildern von Hanny Fries auch solche ihres Grossvaters zu sehen sein sowie weiterer renommierter Maler wie Ernst Ludwig Kirchner oder Meret Oppenheim.

Hanny Fries verbringt ihre Nachmittage im Atelier. Zeichnet und malt und versucht, das Werk des Vaters zu ordnen; auch dieser war Maler. Sie sucht in ihrem eigenen grossen Werk nach passenden Bildern für Bindellas neues Fischrestaurant. Stellt für ein Buchprojekt die Porträts berühmter Zeitgenossen zusammen, die sie gekannt und gezeichnet hat. Marguerite Duras etwa, Max Frisch oder Maurice Béjart. Sie traf sie in der Kronenhalle oder im Odeon, früher, als die Bohème noch viel Zeit zusammen "verlor", wie Hanny Fries zu sagen pflegt. Eine besondere Freundschaft verband sie mit Friedich Dürrenmatt, dessen Uraufführung sie alle auf Block festhielt.

Hanny Fries war Teil des Kulturlebens in Zürich, seit sie auf die Welt kam. Ihre Eltern - der Vater hatte eine Malschule, die Mutter schreib Essays - hatten ein offenes Haus. Hanneli war ein Einzelkind. "Ich insistierte immer, nicht früh zu Bett zu müssen, vor allem wenn Besuch da war. Man legte mit dann einen Korb unter den Tisch, da lag ich und hörte den Erwachsenen zu." Hanny Fries hatte eine glückliche Kindheit. Sie war behütet und frei zugleich. Frei zu gehen, wohin sie wollte (sie reist gerne), und zu lernen, was sie wollte. Sie besuchte die Kunstgewerbeschule in Zürich und danach die Ecole des Beaux-Arts in Genf, wo sie den Schriftsteller Ludwig Hohl kennen lernte und heiratete. Nach dem Krieg trennte sie sich von ihm und kehrte nach Zürich zurück. Hanny Fries war immer sehr eigenständig und auch bodenständig. Und sehr familienverbunden.

Eigene Kinder wollte sie nicht, ihre Familie waren die Grosseltern und die Eltern, sind ihr Mann und ihre Freunde. Seit 40 Jahren ist Hanny Fries mit dem Grafiker Benno Blumenstein zusammen. "Man soll sich seine Freiheiten lassen", so ihr Erfolgsrezept für eine glückliche Ehe. Heute Abend feiert sie mit Benno und vielen Freunden im Ristorante Bindella. Vor Jahren hatte sie die Wandbilder dort gemalt. Rudi Bindella Restaurteur und Sammler, richtet seiner Freundin das Fest aus.

Mit freundliche Genehmigung © Tages-Anzeiger, 27. November 2008;

Susanne Anderegg, Zürich

Der Steh-Imbiss
Berliner S-Bahn
Baustelle am Badestrand

Wir gratulieren Elsa Stauffer

 Am 3. Januar 2005 konnte die Bildhauerin Elsa Stauffer im Burgerspital in Bern ihren 100. Geburtstag feiern. Seit 1944 Mitglied der GSMBK, war sie von 1955-58 Präsidentin der Sektion Bern.

Dem autobiographischen Werk "Erinnern in Zeitenwede", das sie 1998 - 99 mit 94 Jahren selbst verfasste und gestaltete (die Tochter eines Neffen tippte das Manuskript ab), entnehmen wir viele Details über dieses reiche Künstlerinenleben. Elsa Stauffer wuchs als Pfarrerstochter im Berner Oberland auf. Früh wusste sie, dass sie Bildhauerin werden wollte, wusste aber auch, dass sie daneben einen Brotberuf erlernen musste. So wurde sie Arztgehilfin.

Mit 21 Jahren erhielt die Autodidaktin ihren ersten Porträtauftrag. Dank kleiner Stipendien reiste sie 1928-29 und wieder 1936-37 nach Paris. Von der Akademie enttäuscht, lernte sie schliesslich Ossip Zadkine kennen, der ihr Meister und Vorbild wurde.

Bei Kriegsausbruch kehrte sie 1940 in die Schweiz zurück und übte zunächst ihren Brotberuf aus. Doch 1942 erhielt sie das Luise Aeschlimann-Stipendium sowie einige Porträtaufträge und wurde 1943 von Leo Steckals Mitausstellerin in der Kunsthalle Bern eingeladen. 1953 konnte sie ihre erste umfassende, eigene Ausstellung mit Plastik, Mosaik und ihren besonderen Cheminée-Modellen im Anlikerkeller in Bern realisieren. Die Freundschaft mit Otto Nebel bedeutete ihr viel, auch die Mitgliedschaft im Künstlerhaus Boswil, wo sie vielfältige Kontakte zu Künstlern, Musikern und Schriftstellern knüpfte. Elsa Stauffer, der Moderne stets nahe, pflegte für ihre Porträts selbstgefertigten Edelkunststein zu verwenden. In Deutschland lernte sie die Technik des Direkt-In-Kupferplatten-Arbeiten, die sie für ihre Reliefs wie Vogelzug über Meerwellen bevorzugte. In den 1970 Jahren entdeckte sie ein neues Material: fluoreszierendes Plexiglas. Ihre "Prismen", diese Spähren der Durchdringbarkeit bieten Weltdurchschauung, nicht mehr Weltanschauung, wie sie sich ausdrückt.

Das Künstler Lexikon der Schweiz von 1967 würdigt Elsa Stauffers Werk ausführlich: "In Figuren, Köpfen, Reliefs prägt sich die eigene lyrische Empfindung unmittelbar aus. Kommt im weiblichen Torso zu schwebend aufsteigenden, oft an Pflanzliches erinnernden Figurationen, die bis zu gekurvten Formen figürlicher, räumlicher Bewegtheit reduziert sind."

(Ingrid Ehrensperger, 2005)

Architektur
Erhorchen